Das Jahr 1989 - das Jahr der Wende

1989

 

13. Januar

Der Freidenkerverband der DDR wird gegründet.

 

13. bis 15. Juni

In Berlin findet im Palast der Republik der IX. Pädagogischer Kongress statt.

 

5. September

Der Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft Fritz SCHAUMANN und der Staatssekretär im Volksbildungsministerium der DDR Werner LORENZ führen in Bonn Gespräche über bildungspolitische Fragen.

 

9./10. September

Das Neue Forum wird in Grünheide bei Berlin im Haus von Katja HAVEMANN gegründet.

 

12. September

Die Bürgerbewegung „Demokratie Jetzt“ wird gegründet. In einem Arbeitskreis wird der Gründungsaufruf „Aufruf zur Einmischung in eigener Sache“, verabschiedet.

 

19. September

Die staatliche Anerkennung als Vereinigung wird dem „Neuen Forum“ versagt. Sie wird als staatsfeindlich bewertet.

 

2. Oktober

Der „Demokratischen Aufbruchs” konstituiert sich. Die offizielle Gründung als Partei erfolgte am 16./17. Dezember in Leipzig.

 

7. Oktober

In Schwante bei Oranienburg wird die SDP gegründet.

 

18. Oktober

Das ZK der SED entbindet Erich HONECKER “aus gesundheitlichen Gründen” von seinem Amt als Generalsekretär. Es wählt Egon KRENZ an seine Stelle.

 

31. Oktober

Nach einer Beratung mit den Bezirksschulräten informiert das Ministerium für Volksbildung in einem Pressegespräch über erste Maßnahmen, die sich für die Volksbildung aus dem gesellschaftlichen Umbruch in der DDR ergeben. Dazu gehören Veränderungen im Staatsbürgerkunde- und Geschichtsunterricht.

 

2. November

Der Ministerrat der DDR nimmt das Rücktrittsgesuch der Ministerin für Volksbildung, Margot HONECKER, an.

 

6. November

Während eines Pressegesprächs mit dem amtierenden Minister für Volksbildung, Prof. Dr. Günter FUCHS, kündigt dieser u. a. folgende Maßnahmen an:

- Reformierung des Volksbildungswesens,

- Aufhebung der Lehrpläne für den Staatsbürgerkundeunterricht,

- Einstellung des Faches Wehrunterricht.

Der Staatssekretär für Berufsbildung, Bodo WEIDEMANN, erklärt ein neues Bildungsgesetz sei unbedingt erforderlich. Er kündigte an, dass die Fächer Staatsbürgerkunde, Betriebsökonomie und sozialistisches Recht in den berufsbildenden Schulen neu gestaltet würden.

 

8. November

Das “Neue Forum” wird als Vereinigung zugelassen.

 

9. November

Plötzlich und unerwartet wird den Bürgern der DDR, die seit Monaten diskutierte Reisefreiheit beschert. Im Rahmen der Verkündung der Ergebnisse der noch laufenden ZK-Tagung gibt Günter SCHABOWSKI bekannt, dass es für alle Bürger der DDR (ab sofort) möglich sei über alle Grenzübergänge unbeschränkt aus- bzw. einzureisen. Diese Meldung erfolgte unabsichtlich zu früh, da eine Sperrfrist bis 4 Uhr am 10. November übersehen wurde. Durch die Übertragung der Pressekonferenz im Fernsehen und Radio erhielten viele Bürger unmittelbar Kenntnis. Insbesondere in Berlin streben viele Bürger in der Nacht noch in den Westteil der Stadt. Der 9. November 1989 gilt so als Tag des Mauerfalls.

 

10. November

Das ZK der SED tritt mit einem Aktionsprogramm „Für eine Reform des Bildungswesens“ an die Öffentlichkeit.

 

11. November

Die CDU der DDR gründet eine eigenständige Jugendorganisation (Christlich-Demokratische Jugend – CDJ), die eng mit kirchlichen Jugendgruppen zusammenarbeiten will.

 

13. November

Hans MODROW wird durch die Volkskammer der DDR zum neuen Vorsitzenden des Ministerrates gewählt und mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt.

 

15. November

In Berlin findet ein erstes Sachgespräch zwischen Vertretern der Konferenz der Evangelischen Kirchenleitungen, der Akademie der Pädagogischen Wissenschaften und des Ministeriums für Volksbildung statt. In dem über dreistündigem Gespräch wurde u. a. auch über die Trennung von Schule und Pionierorganisation, FDJ und SED sowie über die Vermittlung eines wissenschaftlichen Weltbildes gesprochen.

 

16. November

Das Ministerium für Volksbildung gibt die Bildung von Arbeitsgruppen zur Reformierung des Bildungswesens bekannt.

 

18. November

Der Rektor der Bergakademie Freiberg Prof. Dr. Hans-Heinz EMONS wird in die Regierung MODROW als Minister für Bildung und Jugend (später ab 1. Januar 1990 nur Minister für Bildung) berufen. In dem neuen Ministerium sind die ehemaligen Ministerien für Volksbildung und für Hoch- und Fachschulwesen, das Staatssekretariat für Berufsbildung und das Amt für Jugendfragen zusammengefasst.

 

22. November

Der Minister für Bildung schlägt die Einführung der 5-Tage-Unterrichtswoche ab Beginn des zweiten Schulhalbjahres vor.

 

24. November

In Berlin (Ost) erfolgt die Gründung der Grünen Partei der DDR.

 

28. November

In einem Interview mit der Zeitung „Junge Welt“ spricht sich der Bildungsminister Hans-Heinz EMONS für die Schaffung unabhängiger Schüler- und Studentenvertretungen aus.

 

1. Dezember

Die Volkskammer streicht die "führende Rolle der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei" aus der Verfassung der DDR. Damit wird auch formal der Weg für Reformen im Bildungswesen frei.

Die GST stellt die vormilitärische Ausbildung für Jugendliche ein.

 

6. Dezember

Der Minister für Bildung gibt in einem Interview die sofortige Aussetzung des Sonnabend-Unterrichts bekannt. Die Direktoren der Schulen sollen eigenverantwortlich über die damit im Zusammenhang stehenden Stundenkürzungen entscheiden.

Der Präsident der Akademie der pädagogischen Wissenschaften (APW) Gerhart NEUNER und die übrigen Leitungsmitglieder erklären ihren Rücktritt.

 

7. Dezember

Auf Initiative des Sekretariats des Bundes der Evangelischen Kirchen und der Berliner Bischofskonferenz werden Vertreter von Parteien und Reformgruppen zu Gesprächen am Runden Tisch nach Berlin (Ost) eingeladen.

 

13. Dezember

In Berlin (Ost) und Stralsund demonstrieren Menschen für die Reform des Schulsystems.

 

20. Dezember

Die ehemalige Ministerin für Volksbildung, Margot HONECKER, bekennt sich vor dem Untersuchungsausschuss zur Überprüfung von Amtsmissbrauch und Korruption zu ihrer persönlichen Verantwortung für Fehler im Bildungswesen.